Uhren
Nein, ich bin kein Uhrmacher, obwohl einmal in der Zeitung zu lesen war, ich wäre Uhrmachermeister. Mein Beruf war die Fernmeldetechnik. Ich habe mich aber immer für Uhren interessiert, habe mir Lehrbücher gekauft und Uhrmacherwerkzeug bis hin zur kleinen Drehbank. Alles nur aus Freude an der interessanten Technik.
Richard Wirbatz
Die Uhr, (aus dem lateinischen hora = Stunde) ist eine Einrichtung zum Messen und Anzeigen der Zeit. Zuerst dienten dazu natürliche Bewegungsabläufe wie die Sonne und die Gestirne, oder das Auslaufen von Sand oder Wasser aus engen Öffnungen. Aber auch das Abbrennen von Wachs oder Öl diente zur Zeitmessung.

Die ersten Räderuhren wurden Ende des 13. Jahrhunderts gebaut. Sie geben unabhängig von den Gestirnen und unabhängig von der Witterung die Zeit an. Trotzdem blieb die Sonnenuhr bis zum 18. Jahrhundert ein selbstverständlicher Zeitmesser. Von Anfang an wurden mit dem mechanischen Zeitmesser mechanische Schlagwerke für die akustische Zeitangabe verbunden. Ständig versuchte man die Genauigkeit zu verbessern. Mit der Erfindung des Pendels als Gangregler (1658) wurde die Uhr zu einem genauen Zeitmesser für astronomische Beobachtungen. Mit dem Bau des Chronometers von John Harrison (1759) konnte man mit Uhren den Standort eines Schiffes bestimmen.
In meinem Museum sind viele interessante Uhren zu sehen:
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Die Schwarzwälder Kuckucksuhr
Schon um 1660 schnitzten Holzschnitzer im Schwarzwald Pendeluhren aus Holz und legten damit den Keim der Schwarzwälder Uhrenindustrie in Triberg, Schrammberg, Emmendingen, Pforzheim und anderen Orten.

Diese, über 120 Jahre alte Kuckucksuhr hat ein Uhrwerk mit Holzplatinen. Die Radachsen drehen sich in Lagerbuchsen aus gerundeten Blechstreifen, die ins Holz eingedrückt wurden. Halbstündig öffnet sich die kleine Tür, der hand geschnitzte Kuckuck kommt heraus, verbeugt sich, hebt die Flügel, öffnet seinen Schnabel und der Kuckucksruf ertönt.
Die Uhr hat mein Großvater meiner Großmutter zur Hochzeit geschenkt. Während des letzten Krieges fiel die Uhr bei einem Fliegerangriff von der Wand und zerbrach in Einzelteile. Meine Oma verstaute die Teile in einem Schuhkarton in Ihrer Kommode.
Nach dem Krieg ging sie zum Uhrmacher um die Uhr reparieren zu lassen, doch der Uhrmacher sagte, dass die Uhr nicht mehr zu reparieren sei, beziehungsweise wäre die Reparatur viel teurer als eine neue Kuckucksuhr. Eine neue Uhr wollte Oma nicht, und so kam der Schuhkarton mit der Uhr wieder in die Kommode.
In der Nachkriegszeit habe ich mir ohne ihr Wissen die Uhr aus dem Karton in Ihrer Kommode geholt und konnte sie mit einem Teil aus einem alten Wecker tatsächlich wieder zum Laufen bringen. Das fehlende Türchen für den Kuckuck habe ich aus einem Stück Holz geschnitzt, und mit brauner Schuhkreme gefärbt. (Es gab ja nichts in der damaligen Zeit) Die Angeln für das Türchen habe ich mit Eisendraht gebogen und ins Holz gedrückt. ( bis heute ist noch niemanden aufgefallen, dass das Türchen nicht original ist. ) Als an Weihnachten die Kuckucksuhr im Zimmer hing und wieder schlug, kamen der Oma die Tränen und sie sagte: „ Wenn ich mal nicht mehr da bin, sollst du die Uhr haben“.
Nach Oma´ s Tod bekam ich dann die Uhr. Seit dieser Zeit läuft sie bei mir, wird jeden Morgen aufgezogen, und verkündet mit ihrem im ganzen Haus zu hörenden Kuckucksruf die Zeit. Es ist wirklich erstaunlich, dass die Uhr außer wenigen Unterbrechungen wegen kleinerer Reparaturen über 120 Jahre schon ihren Dienst tut.

Die ersten Wecker waren Wanduhren
Nein, das ist keine normale Schwarzwälder Wanduhr, das ist eine Schwarzwälder Gewichtsuhr mit Weckeinrichtung aus dem 19. Jahrhundert. Die Idee, Zeitmesser mit einer Weckeinrichtung auszustatten entstand schon im 14. Jahrhundert. Es war damals wichtig den Turmwächter, den Wächter über Wohl und Wehe der Bürgerschaft, mit der Weckeinrichtung an seine Pflichten zu erinnern. (Ausschau halten nach Feuer, die Stunden durch Hornruf oder Glockenschlag anzuzeigen). Die damaligen, einfachen Waaguhren mit Weckeinrichtung führen daher die Bezeichnung Türmeruhren.
Meine Wanduhr mit Weckeinrichtung bekam ich mit abgeknicktem Ziffernblatt, verbogener Zeigerachse, ohne Ketten, ohne Gewichte, ohne Pendel und ohne Glockenschale. Heute ist sie wieder voll funktionsfähig.
(Mit der Zahlenscheibe hinter den Zeigern wird die Weckzeit eingestellt)

Ein Wecker über 120 Jahre alt
Im Messinggehäuse, 7 X 7 cm, ohne Glas über dem Ziffernblatt. Die Zeiger werden mit der Rändelschraube vor den Zeigern gerichtet. Die Weckzeit wird mit dem herausragenden Hebel eingestellt.
Das interessante an der Uhr ist, dass sie keine Unruhe, sondern ein Pendel als Hemmung hat. Nach dem Aufziehen und dem Einstellen der Zeiger muss man also die Uhr hinstellen und sich vergewissern, dass sie auch tickt.
Die Sonnenuhr
Hier sehen wir eine ungewöhnliche Sonnenuhr, eine Taschensonnenuhr, sie ist gerade mal 5cm im Durchmesser und mit einer durchsichtigen Haube abgedeckt. Zum Ablesen der Zeit drückt man unten auf einen Knopf; das Ziffernblatt dreht sich automatisch in die Nord – Südrichtung und am Schatten des Zeigers kann man die Zeit ablesen. Die Uhr hat sogar 2 getrennte Anzeigen für die Sommer sowie die Winterzeit. Ja man kann sogar die von Ort zu Ort unterschiedliche Missweisung des magnetischen Nordpols einstellen.
Die Taschenuhr des Lokführers

Mein Großvater war Lokomotivführer bei der Großherzoglichen Badischen Bahn. Die Lokomotiven waren noch offen und der Lokführer trug eine Uniform, in deren Hose unter dem Gürtel eine Ledertasche für die große Lokführeruhr eingenäht war. ( um 1875 ) Der Lokführer selbst war verantwortlich für die genaue Abfahrts- und Ankunftszeit der Züge. Es gab zu dieser Zeit noch nicht die genauen Bahnhofsuhren wie sie heute selbstverständlich sind.
Damals gab es noch nicht mal eine einheitliche, offizielle Uhrzeit innerhalb Deutschlands.
Als „Lokführer der Hofzüge des Großherzogs“ fuhr er hohe Gäste wie den König von Württemberg und Kaiser Wilhelm durch die Lande. Im Zeitungsbericht ist zu lesen: “Er galt als angesehener Mann“.
Vor seiner Pensionierung wurde meinem Großvater Johann Wilhelm Wirbatz noch eine ganz große Ehrung zuteil: In Anwesenheit des Großherzogs von Baden durfte er als Lokführer die Gürtelbahn um den Bodensee auf der Strecke Stahringen - Überlingen einweihen.

Die Taschenuhr meines Großvaters ist fast 8 cm im Durchmesser, hat immerhin 10 Steine und lief für die damalige Zeit sehr genau. Sie läuft heute noch, obwohl schon ein Zahn an einem Rad fehlt. (Suchbild: Wer findet den fehlenden Zahn?)
Einfahrt des ersten Dampfzugs in Überlingen mit Lokführer Wilhelm Wirbatz

(Zeitungsbild von 21. August 1895)
Uhren mit 24 Stunden Ziffernblatt
Bevor es die digitalen Anzeigen gab, bestand für manche Anwendungen die Notwendigkeit, zu wissen ob es 4 Uhr morgens, oder 4 Uhr abends ist. Man baute also Uhren mit 24-Stunden Ziffernblätter und dachte, dass das eine einfache Lösung sei, und die Menschen sich schnell daran gewöhnen würden. Der große Zeiger ist in seiner Funktion geblieben (oben die volle Stunde, unten die halbe und so weiter). Beim kleinen Zeiger war es nicht ganz leicht 24 Zahlen unterzubringen wodurch das Ablesen viel schwerer wurde. Während man die 12- Stundenuhr mit einem Blick ablesen kann, braucht man viel länger das 24-Stundenziffernblatt abzulesen. Die Uhren mit 24-Stundenziffernblättern haben sich darum nicht bewährt, es war Zeit, dass die elektronischen Uhren mit digitaler Anzeige auf den Markt kamen.

In meiner Sammlung sind drei verschiedene Uhren mit 24 Std. Anzeige:
Eine amerikanische Wanduhr fürs Büro, etwa 30 cm Durchmesser,

eine kleine russische 24-Stundenuhr aus dem militärischen Bereich, mit einem Durchmesser von nicht mal 3 cm,

und eine deutsche Schaltuhr die sogar 2 kleine Zeiger hat, einen für die
24-Stundenanzeige (rot), und einen für die 12-Stundenanzeige. (schwarz)